Volk


Volk

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Volk [fɔlk], das, -[e]s, Völker ['fœlkɐ]:
1. Gemeinschaft von Menschen, die nach Sprache, Kultur und Geschichte zusammengehören:
das deutsche Volk; ein freies, unterdrücktes Volk; die Völker Asiens.
Syn.: Bevölkerung, Bewohner <Plural>, Einwohner <Plural>, ethnische Gruppe, Nation, Nationalität, Stamm.
2. <ohne Plural> Masse der Angehörigen einer Gesellschaft, der Bevölkerung eines Landes, eines Staates:
das arbeitende, werktätige Volk; das Volk steht hinter der Regierung, empörte sich gegen die Gewaltherrschaft; das Volk befragen; das Volk aufwiegeln, aufhetzen; die Abgeordneten sind die gewählten Vertreter des Volkes; im Volk begann es zu gären; der Staatspräsident sprach zum Volk.
Syn.: Nation.
3. <ohne Plural> [mittlere und] untere Schichten der Bevölkerung:
das einfache, niedere Volk; ein Mann aus dem Volke; sie rechnete sich nicht zum [gemeinen] Volk.
Syn.: gemeines Volk, Masse, Menge, Meute (ugs. abwertend), Pöbel (abwertend).
4. <ohne Plural>
a) (ugs.) größere Anzahl von Menschen, Menschenmenge; Menschen, Leute:
das Volk drängte sich auf dem Platz; an den Feiertagen war viel Volk unterwegs; unter den Teilnehmern war auch viel junges Volk (scherzh.; viele junge Leute); das kleine Volk (scherzh.; die Kinder) stürmte herein; sich unters Volk mischen; etwas unters Volk bringen (verbreiten, bekannt machen).
Syn.: Leute <Plural>, Menschen <Plural>.
b) Gruppe, Sorte von Menschen:
dieses liederliche Volk hat natürlich nicht aufgeräumt; die Künstler waren ein lustiges Volk.
Syn.: Leute <Plural>, Menschen <Plural>.

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Vọlk 〈n. 12u
I 〈zählb.〉
1. 〈urspr.〉 Kriegsschar (Kriegs\Volk)
2. 〈heute〉 durch gemeinsame Sprache u. Kultur verbundene, größere Gemeinschaft von Menschen
3. zusammengehörige Gruppe gleichartiger Tiere (Bienen\Volk)
● die Völker Asiens, Europas; drei Völker Bienen; ein \Volk Rebhühner ● das deutsche, englische \Volk
II 〈unz.〉
1. Bevölkerung eines Landes
2. die unteren Bevölkerungsschichten
3. Menschengruppe, Menge, Leute
● die Vertreter des \Volkes im Parlament ● auf dem Platz vor dem Schloss drängte sich das \Volk ● das junge \Volk die jungen Leute, die Jugend; das kleine \Volk die Kinder; lustiges \Volk; Völker verbindend = völkerverbindend; viel \Volk, 〈umg.〉 \Volks hatte sich eingefunden ● der Mann aus dem \Volk; etwas unters \Volk bringen etwas verbreiten, bekanntmachen
[<mhd. volc <ahd. folc „Haufe, Kriegsschar, Volk“; Herkunft unklar; vielleicht verwandt mit Pulk <poln. polk „Regiment“]

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Vọlk , das; -[e]s, Völker [mhd. volc = Leute, Volk; Kriegsschar, ahd. folc = Haufe, Kriegsschar; Volk, H. u., wahrsch. eigtl. = viele]:
1. durch gemeinsame Kultur u. Geschichte [u. Sprache] verbundene große Gemeinschaft von Menschen:
ein freies, unterdrücktes V.;
die Völker Afrikas;
das V. Israel ( Israel 2);
eine [viele] Völker verbindende Veranstaltung;
er ist ein großer Sohn seines -es;
das auserwählte V. (jüd. Rel.; die Juden, das Volk Israel; nach Ps. 105, 43);
das V. der Dichter und Denker (meist scherzh. od. spött.; das deutsche Volk, die Deutschen).
2. <o. Pl.> Masse der Angehörigen einer Gesellschaft, der Bevölkerung eines Landes, eines Staatsgebiets:
das arbeitende, werktätige, unwissende V.;
das V. befragen;
das V. aufwiegeln, aufhetzen;
die Abgeordneten sind die gewählten Vertreter des -es;
im V. begann es zu gären;
die Staatsgewalt geht vom -e aus;
zum V. sprechen;
R jedes V. hat die Regierung, die es verdient.
3. <o. Pl.> die [mittlere u.] untere Schicht der Bevölkerung:
ein Mann aus dem -e;
dem V. aufs Maul schauen (beobachten, wie sich die einfachen Leute ausdrücken u. von ihnen lernen; nach M. Luthers [1483–1546] »Sendbrief vom Dolmetschen«).
4. <o. Pl.>
a) (ugs.) Menschenmenge; Menschen, Leute:
das V., alles V., viel V., viel junges V. drängte sich auf dem Festplatz;
das junge V. (scherzh.; die jungen Leute, die Jugend);
das kleine V. stürmte (scherzh.; die Kinder stürmten) herein;
sich unters V. mischen;
etw. unters V. bringen (verbreiten, bekannt machen);
fahrendes V. (veraltet; Artisten, Schausteller);
b) bestimmte Gruppe von Menschen:
dieses liederliche V. hat natürlich nicht aufgeräumt;
die Künstler waren ein lustiges V.;
Ü die Spatzen sind ein freches V.
5.
a) (Fachspr.) größere, in Form einer Gemeinschaft lebende Gruppe bestimmter Insekten:
drei Völker Bienen;
b) (Jägerspr.) Kette, Familie von Rebhühnern.

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I
Volk,
 
1) allgemein: vielschichtiger, unterschiedlich definierter Begriff: 1) sprachgeschichtlich (veraltet) z. B. die Mannschaft eines Schiffes oder die Angehörigen eines Heerhaufens; 2) die »breite Masse« der »einfachen« Mitglieder einer Gesellschaft; 3) die ethnisch-spezifische Einheit einer Gruppe von Menschen im Sinne von Ethnie; 4) eine Gruppe von Menschen, die sich als ideelle Einheit begreift, d. h. als eine durch gemeinsame Herkunft, Geschichte, Kultur und Sprache, zum Teil auch Religion verbundene Gemeinschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist dieses Verständnis von Volk nicht klar abgrenzbar von dem der Nation; beide Begriffe können insofern voneinander abgehoben werden, als Nation mehr Elemente der politischen Willensbildung enthält und Volk stärker emotionale Erfahrungen anspricht (Nationalbewusstsein). Die Unbestimmtheit beider Begriffe fördert ihren demagogischen Gebrauch, was zur Diskreditierung des Begriffs Volk (und besonders des Adjektivs »völkisch«) nach der nationalsozialistischen Zeit führte; 5) staatsrechtlich Träger der Staatsgewalt (Staatsvolk), in einer Demokratie Inhaber der Souveränität (Volkssouveränität), die in Abstimmungen und Wahlen ausgeübt wird.
 
 2) Biologie: in Gemeinschaft lebende Gruppe Staaten bildender Insekten (z. B. Bienenvolk); weidmännisch gleichbedeutend mit Schwarm, Rudel, Kette.
II
Vọlk
 
[f- ], Hermann, katholischer Theologe, * Steinheim am Main (heute zu Hanau) 27. 12. 1903, ✝ Mainz 1. 7. 1988; war ab 1946 Professor für Dogmatik in Münster, 1962-82 Bischof von Mainz; seit 1973 Kardinal. Als Mitgestalter des 2. Vatikanischen Konzils und Mitglied des Sekretariats für die Einheit der Christen sowie durch seine theologischen Schriften setzte sich Volk besonders für eine christliche Ökumene ein.
 
Ausgabe: Gesammelte Schrr., 4 Bände (1-21966-82).

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Vọlk, das; -[e]s, Völker [mhd. volc = Leute, Volk; Kriegsschar, ahd. folc = Haufe, Kriegsschar; Volk, H. u., wahrsch. eigtl. = viele]: 1. durch gemeinsame Kultur u. Geschichte [u. Sprache] verbundene große Gemeinschaft von Menschen: ein freies, unterdrücktes V.; Die kolonialisierten Völker hatten zunächst nicht einmal Bedürfnisse, die sie zum Verkauf der Bodenschätze hätten veranlassen können (Gruhl, Planet 316); Die reichen Völker werden immer reicher, die armen immer ärmer (Dönhoff, Ära 172); Jenes Jahr 1956 hatte im polnischen V. große, überschwängliche Hoffnungen geweckt (Dönhoff, Ära 149); die Völker Afrikas; die Vorarbeit des geheimnisvollen -es der Sumerer (Ceram, Götter 321); das V. Israel (↑Israel 1); Das deutsche V. musste ein V. von Fliegern werden, hatte Göring verlangt (Loest, Pistole 91); er ist ein großer Sohn seines -es; *das auserwählte V. (jüd. Rel.; die Juden, das Volk Israel; nach Ps. 105, 43); das V. der Dichter und Denker (meist scherzh. od. spött.; das deutsche Volk, die Deutschen; Urheber ist wohl der Schriftsteller Johann Karl August Musäus [1735-1787], der in dem seine „Volksmärchen der Deutschen“ [1782-1786] einleitenden „Vorbericht an Herrn David Runkel ...“ schreibt: „Was wäre das enthusiastische Volk unserer Denker, Dichter, Schweber, Seher ohne die glücklichen Einflüsse der Phantasie?“; die heute geläufige Umstellung „Dichter und Denker“ wurde gepr. - allerdings ohne Bezug auf Deutschland - von Jean Paul [1763-1825]). 2. <o. Pl.> Masse der Angehörigen einer Gesellschaft, der Bevölkerung eines Landes, eines Staates: das arbeitende, werktätige, unwissende V.; das V. steht hinter der Regierung, empörte sich gegen die Gewaltherrschaft; das V. befragen; das V. aufwiegeln, aufhetzen; die Abgeordneten sind die gewählten Vertreter des -es; Das Schwurgericht verkündet das Urteil. Es lautet im Namen des -es (Formel bei der Urteilsverkündung): Der Angeklagte wird freigesprochen (Noack, Prozesse 37); ... dass die Entscheidungsbefugnis beim Parlament und nicht beim V. liegt (Dönhoff, Ära 34); im V. begann es zu gären; die Erinnerung an die eigenen revolutionären Bewegungen darf im -e nicht weiterleben (Leonhard, Revolution 203); Man musste ... die Bildung schon unters V. bringen (Zwerenz, Quadriga 284); der Bundeskanzler habe sein Mandat vom V. erhalten (Dönhoff, Ära 24); Alle Staatsgewalt geht vom -e aus (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Art. 20); zum V. sprechen; R jedes V. hat die Regierung, die es verdient. 3. <o. Pl.> die [mittlere u.] untere Schicht der Bevölkerung: ein Mann aus dem -e; dass sie dazu keinen Hut, sondern einen schwarzen Schal als Kopftuch trug, gab ihr das Aussehen einer Frau aus dem -e (Maass, Gouffé 262); *dem V. aufs Maul schauen (beobachten, wie sich die einfachen Leute ausdrücken u. von ihnen lernen; nach M. Luthers [1483-1546] „Sendbrief vom Dolmetschen“). 4. <o. Pl.> a) (ugs.) Menschenmenge; Menschen, Leute: da ist so viel verwaistes V., auch so viel richtungsloses, auch so viel verwahrlostes V. (Plievier, Stalingrad 344); das V., alles V., viel V., viel junges V. drängte sich auf dem Festplatz; Zwar jubelte das V. mir zu (Böll, Erzählungen 80); Trunzer wollte einen Elfmeter rausschinden, aber der Schiedsrichter reagierte sauer. „Eierkopp!“, brüllte das V. (Loest, Pistole 203); das junge V. (scherzh.; die jungen Leute, die Jugend); das kleine V. stürmte (scherzh.; die Kinder stürmten) herein; sich unters V. mischen; etw. unters V. bringen (verbreiten, bekannt machen); *fahrendes V. (veraltet; Artisten, Schausteller); b) Gruppe, Sorte von Menschen: dieses liederliche V. hat natürlich nicht aufgeräumt; die Künstler waren ein lustiges V.; die Sekretäre sind ein nervöses V. (Kafka, Schloß 255); Mit solchem V. gibst du dich ab, Großvater (Bobrowski, Mühle 291); Ü die Spatzen sind ein freches V. 5. a) (Fachspr.) größere, in Form einer Gemeinschaft lebende Gruppe bestimmter Insekten: drei Völker Bienen; b) (Jägerspr.) Kette, Familie von Rebhühnern.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme: